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Der kaputte Wachsinkjektor

Wir alle kennen es: eine Maschine/ ein Apparat hat den Geist aufgegeben. In manchen Momenten ist es weniger schlimm als in anderen – vielleicht hat man das Gerät gar nicht viel benutzt oder die Investition in ein Neues nimmt nicht so viel Mittel in Anspruch. Nicht so bei meinem Wachsinjektor – er wurde des Öfteren in meiner Schmuckwerkstatt eingesetzt und eine neue Maschine hätte mindestens 500€ gekostet (es gibt noch die chinesischen Varianten, da habe ich aber nicht weiter nachgeforscht). Wachsinjektoren, wie es schon der Name sagt, injektieren Wachs in eine Gussform. Dieses Wachsmodell wird im Gießverfahren in Metall umgewandelt (da gibt es noch mehrere Zwischenschritte, die ich hier nicht weiter erkläre). Das ganze ist ganz praktisch, da wiederholende Formen sich vereinfacht herstellen lassen.

Der alte Deckel der Maschine hat mit der Zeit ordentliche Risse bekommen und es konnte kein Druck mehr aufgebaut werden, unabdingbar für eine gute Qualität des Wachsrohlings. Im Internet habe ich noch nach Ersatzteilen gesucht, die gab es aber natürlich nicht.

  • Die erste Idee war, den kompletten Deckel mit dem 3D-Drucker herzustellen, dafür habe ich mir ABS-Filament gekauft. ABS ist thermoresistenter als andere Druckmittel. Der Deckel wurde von mir im 3D-Programm rekonstruiert und der Drucker hat sich an die Arbeit gemacht. Anscheinend ist das ABS-Filament nicht ganz einfach zu handhaben, es baut nach dem Abkühlen eine relativ hohe Spannung auf und der Deckel hat sich mit jeder Schicht verzogen und am Ende hat er sich von der Druckplatte gelöst. Damit waren 15 Std. Druckzeit hinüber (mein 3D-Drucker ist ziemlich oldschool und langsam).
  • Danach bestand die Überlegung, nur einen Teil zu Drucken und den Rest in Epoxiharz zu gießen. Zum Glück hatte ich die extrem schlaue Idee, die funktionalen Teile (Ventile, Druckmesser) erst nach dem kompletten Aushärten einzubauen. Hätte ich sie nämlich mitgegossen, wären sie unwiederbringlich eingegossen. Im ersten Versuch habe ich das Epoxi direkt auf eine Keramikfliese gegossen und lustigerweise hat sich der Harz mit der Platte verklebt und war nicht mehr lösbar.
  • Also zum dritten Versuch. Diesmal habe ich Backpapier als Zwischenschicht auf die Keramikplatte gelegt. Dies führte dazu, dass der fertige Deckel an manchen Stellen nicht ganz eben war, dies konnte aber mit Sandpapier behoben werden. Danach konnte ich die Ventile in die 3D-Druckteile einschrauben. Das Ganze ist extrem fest und luftundurchlässig. Auch wenn der Deckel eben und gerade ist, benötigt man einen Dichtungsring (siehe im Video am Ende).

Zum Glück hat alles funktioniert und mein schöner selfmade-Deckel hat den Wachsinjektor gerettet. Insgesamt war die Herstellung ziemlich einfach, man muss aber auf jeden Fall auf thermoresistente Materialien achten.